
Origins
Schon in jungen Jahren entwickelte sich eine außergewöhnlich tiefgehende Faszination für Musik. Plattencover wurden wie Lehrbücher studiert, Credits wie Romane analysiert. Früh entstand die Frage: Warum wirkt ein Album so, wie es wirkt? Welche Entscheidungen stehen dahinter, musikalisch, visuell oder strategisch?
Bereits damals begann ein präziser, analytischer Blick auf das gesamte Produkt Musik. Welche Labels veröffentlichen welche Künstler? Welche Cover sind ästhetisch stark und warum?
Wie beeinflussen Fotografie, Typografie, Farbe und Stil die Wahrnehmung? Welche Instrumente prägen einen Song? Wie entsteht Wiedererkennung? Was funktioniert im Markt und was nicht?
Diese intensive Auseinandersetzung legte den Grundstein für zwei zentrale Kompetenzen: ein tiefes Verständnis für musikalische Komposition und ein ausgeprägtes Gespür für erfolgreiche Marken- und Produktgestaltung. Beides entwickelte sich parallel, handwerkliche Präzision ebenso wie strategisches Denken. Schon in dieser frühen Phase entstand das Bewusstsein, das später maßgeblich zu künstlerischem und beruflichem Erfolg führte.

Milan Martelli beim auflegen mit Freund Sami Bohsali / 1996
The Turning Point
Der Einschnitt kam abrupt und mit einer Wucht, die jedes Leben teilt in ein Davor und ein Danach. Der Unfall selbst war erst der Anfang einer Kette von Ereignissen, die in ihrer Schwere kaum zu begreifen waren.
Nach der Operation, als der leitende Chirurg einen direkten Blick auf die zerstörten Strukturen der Halswirbelsäule, die durchtrennten Nerven und das Ausmaß des Traumas hatte, wurde die Diagnose endgültig ausgesprochen. Professor Dr. Gerner, einer der angesehensten Fachleute seines Gebiets, formulierte sie ohne Ausweichungen: Ich würde niemals wieder einen Finger rühren.
Diese Einschätzung war keine Vermutung, sondern eine klare, medizinisch fundierte Prognose. Die MRT- und CT-Aufnahmen ließen aus Sicht der Ärzte keinen Zweifel zu, und internationale Spezialisten bestätigten später exakt dieselbe Diagnose. Eine zweite Meinung aus Chicago, ebenfalls von Experten mit jahrzehntelanger Erfahrung, kam zum identischen Schluss: vollständige, dauerhafte Querschnittslähmung. Diese Realität markierte den Ausgangspunkt für alles, was folgte.

Milan Martelli, 3 Monate nach Unfall (Geburtstagsfeier) 1997
Emergence
Die jahrelangen inneren und äußeren Anstrengungen blieben nicht ohne Wirkung. Im Jahr 2004 entstand mit dem Frankfurter Rapper Azad der Titel Phoenix, ein Werk, das auf Anhieb breite Resonanz fand. Der Song wurde auf VIVA und MTV in Heavy Rotation gespielt und markierte einen ersten öffentlichen Wendepunkt. In der Folge kam es zum Abschluss eines Autorenvertrags mit EMI Music Publishing, damals der weltweit größte Musikverlag.
Der Erfolg von Phoenix bedeutete noch keine finanzielle Unabhängigkeit. Seine eigentliche Tragweite entfaltete sich auf einer anderen Ebene: Nach sieben Jahren ermöglichte er die schrittweise Rückkehr in ein soziales Leben. In den Jahren danach entstanden zahlreiche weitere Produktionen, begleitet von Millionenverkäufen sowie Gold- und Platin-Auszeichnungen. Parallel wuchs das Interesse an der visuellen Dimension von Musik. Die Arbeit der Videografen, die diese Werke begleiteten, wurde aufmerksam verfolgt, analysiert und zunehmend Teil des eigenen kreativen Denkens. Ab 2019 mündete diese Entwicklung in der eigenen Videoproduktion. Heute stehen Musik und Bild nicht mehr nebeneinander, sondern bilden eine zusammenhängende gestalterische Einheit.


Milan Martelli im Home Studio, am produzieren / 2002
Discipline and Reconstruction
Die medizinische Ausgangslage ließ keinen Interpretationsspielraum. Führende Spezialisten in Deutschland diagnostizierten übereinstimmend, dass eine willentliche Bewegung selbst einzelner Finger dauerhaft ausgeschlossen sei. Über Jahre hinweg wurden zahlreiche Therapieansätze erprobt: Bobath, Vojta, Kinesiologie, klassische Krankengymnastik, Ergotherapie, Yoga, Akupressur, Akupunktur, Chiropraktik, Osteopathie, verschiedenste Massageformen, Unterwassertherapie, Magnetfeldtherapie, EMS, elektrische Reizverfahren sowie alternative und experimentelle Methoden.
Aus dieser Vielzahl wurde nicht blind vertraut, sondern selektiert. Was Wirkung zeigte, wurde übernommen, kombiniert und fest in den Alltag integriert. Die tägliche körperliche Arbeit entwickelte sich zu einer Selbstverständlichkeit, vergleichbar mit elementaren Grundbedürfnissen. Mehr noch: Die physischen und geistigen Herausforderungen wurden zu einer ernsthaften Leidenschaft. Mit konsequenter Disziplin verging kein Tag ohne gezielte Arbeit an Körper und Geist.
Nach mehr als 15 Jahren führten diese Prozesse zu den ersten eigenständigen Schritten. Nach über 17 Jahren war es möglich, ohne Hilfsmittel und ohne fremde Unterstützung zehn Minuten am Stück selbstständig zu gehen. Die behandelnden Ärzte bestätigten übereinstimmend, dass Fortschritte dieser Art nach einer derart langen Zeit medizinisch höchst ungewöhnlich seien.

Milan Martelli & Azad / 2008

Milan Martelli & Xavier Naidoo / 2010
Present
Heute arbeite ich als Medienexperte an der Schnittstelle von Inhalt, Wirkung und Gestaltung. Meine Arbeit verbindet fortlaufende kreative Praxis in Musik und visueller Produktion mit analytischem Denken und strategischem Verständnis für Marken, Narrative und Wahrnehmung. Projekte betrachte ich nicht isoliert, sondern als Gesamtsysteme, in denen kreative Substanz, formale Umsetzung und strategischer Kontext untrennbar miteinander verbunden sind.
Mein biografischer Hintergrund dient dabei nicht der Inszenierung, sondern prägt meinen Blick für Substanz, Glaubwürdigkeit und langfristige Wirkung. Mein Werdegang ist kein Marketinginstrument, sondern ein Erfahrungsraum, aus dem sich Verantwortung ableitet. Über Entwicklungen zu schreiben, sie einzuordnen und sichtbar zu machen, ist Teil dieses Selbstverständnisses. Nicht aus Pflicht zur Selbstdarstellung, sondern aus der Überzeugung, dass reale Wege, jenseits von Versprechen und Verkürzungen, Orientierung geben können.













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